Drei Einbauküchen auf zehn Quadratmeter
Gekonnte Küchenplanung – Teil 2 unserer Serie
Beitrag lesenIst Ihre Küche sehr klein und die Arbeitsfläche reicht hinten und vorne nicht? Eigentlich fehlt noch ein Toaster, aber wo soll der noch Platz finden? Bevor Sie resignieren: Es gibt ausgesprochen clevere Lösungen, die aus jeder noch so kleinen Küche ein Raumwunder machen. Und der Komfort muss dafür nicht auf der Strecke bleiben.
Dass klein und funktional kein Widerspruch sind, beweisen die Küchenhersteller mit ihren Kollektionen für Tiny Houses eindrucksvoll. Auf weniger als zwei Quadratmetern findet alles Platz, was zum Kochen benötigt wird – vom Herd bis zum Handtuchhalter. Jedes Element sitzt in seiner Nische, jedes hat seinen festen Ort. Selbst eine Dunstabzugshaube ist integriert – und die ist auch dringend nötig, denn ohne sie würde sich der Kochduft im Nu im kompletten Mini-Haus verteilen. Was in einem Tiny House funktioniert, funktioniert erst recht in einer regulären Küche.
Einer der größten Hebel beim Platzsparen sind die Geräte selbst. Hier hat sich in den vergangenen Jahren bemerkenswert viel getan:
Kompaktbacköfen messen nur 45 cm in der Höhe statt der üblichen 60. Das klingt zunächst nach wenig Unterschied, doch darunter entsteht plötzlich Stauraum für Backformen oder Bleche. Hinzu kommt ein willkommener Nebeneffekt: Der kleinere Garraum heizt schneller auf und verbraucht weniger Strom. Wer möchte, bekommt diese Öfen sogar mit Dampfgarfunktion.
Backofen mit integrierter Mikrowelle – die elegante Lösung für alle, die sich ungern zwischen zwei Geräten entscheiden möchten. Je nach Bedarf wird einfach der Betriebsmodus gewechselt. Einige Modelle kombinieren sogar beide Garmethoden gleichzeitig dank der sogenannten Inverter-Technologie. Diese ermöglicht es der Mikrowelle, verschiedene Hitzestufen zu fahren und die Temperatur konstant zu halten. Herkömmliche Mikrowellen kennen im Grunde nur an oder aus – hier wird es deutlich feiner. Das Ergebnis: kürzere Garzeiten und trotzdem schmackhaftere Ergebnisse als mit der Mikrowelle allein.
Schmale Geschirrspüler mit nur 45 cm Breite gibt es für jede Einbausituation – ob Unterbau, teil- oder vollintegriert oder als Standgerät. Schmal heißt hier keineswegs eingeschränkt.
Waschmaschine in der Küche? Auch das gelingt auf kleinstem Raum. Es gibt Front-Lader in Miniatur-Bauform und besonders schmale Toplader, etwa von AEG oder Bauknecht. Die schlanken Toplader schaffen trotz kompakter Maße bis zu 7 Kilo Wäsche. Der Waschsalon darf sich verabschieden.

Gerade in einer kleinen Küche ist es fahrlässig, die Deckenhöhe nicht voll auszunutzen. Für die ganz oben platzierten Schränke braucht es nicht unbedingt einen Stuhl oder eine kleine Leiter. Für Oberschränke gibt es Innenausstattungen, bei denen sich die eingehängten Tablare nach unten bewegen lassen – sogar als elektrisches Lift-System. Damit entfällt die Kletterpartie.
Eine weitere bewährte Möglichkeit ist, in Kopfhöhe Freiraum für ein oder zwei offene Regalböden zu lassen. Das macht die Küche wohnlicher und ermöglicht schnellen Zugriff auf alles, was täglich gebraucht wird.
Der Ecklifter: Aus toter Ecke wird Funktionswunder
Jede Küche hat sie: diese Blindecke, dieses schwarze Loch, in dem Dinge verschwinden und nie wieder auftauchen. Bisher war das Drehkarussell die klassische Lösung. Es gibt jedoch auch ganz andere Lösungen: Der Ecklifter funktioniert wie ein kleiner Fahrstuhl in der Küchenecke. Anstelle eines Eck-Unterschranks werden zwei normale Unterschränke auf Stoß gestellt und der entstehende quadratische Schacht durch ein Hubsystem gefüllt. Auf zwei bis drei stabilen Kunststoff-Tablaren finden Küchengeräte ein ordentliches Versteck und lassen sich leicht und betriebsbereit hervorziehen. Zur Ausstattung gehören eine LED-Beleuchtung und eine Steckdose direkt in der Hubsäule. Das System ist elektrisch, stufenlos verstellbar und mit einem Klemmschutz versehen. Nach der Benutzung wird alles nach unten versenkt und es entsteht ein wenig mehr Arbeitsfläche. (Mehr zu Ecklösungen in unseren Beiträgen "Schick versenkter Eck-Stauraum" und "Innen- und Außenecken gut nutzen"!)

Sie haben keinen Platz für einen großen Kühlschrank, aber ein Unterbaugerät wäre Ihnen zu klein? Dann lohnen sich Table-Top-Kühlschränke. Wie der Name verrät, stehen diese oberhalb der Arbeitsplatte, erhalten meistens die gleiche Front wie die Küchenschränke und sind damit prädestiniert für eine saubere Vollintegration. Vom Innenraumvolumen her reichen sie ohne Weiteres für einen Zwei-Personen-Haushalt aus. Oben abgebildet ist ein Weinkühlschrank, für den das Gleiche gilt. Und noch etwas: Es gibt inzwischen Kühlgeräte mit besonders dünnen Gerätewänden, die dennoch hervorragend isolieren. Gleiche Außenmaße, aber deutlich mehr Lagerfläche im Inneren!

Die neueste Generation von Küchenmaschinen kann nicht nur rühren, pürieren, häckseln und kneten, sondern auch kochen, scharf anbraten und Sous-vide-garen. Damit werden Töpfe, Pfannen, Rührschüsseln und viele andere Utensilien schlicht überflüssig. Wer konsequent ist, könnte theoretisch sogar auf ein Kochfeld verzichten. Es werden weniger Geräte und somit weniger Stauraum benötigt, wodurch mehr Platz für das entsteht, was wirklich zählt.
Manchmal sind es die einfachsten Ideen, die am meisten bewirken:
Abtropffläche weglassen. In einer Tiny Kitchen zählt jeder Zentimeter Arbeitsfläche. Das Standard-Spülbecken mit Abtropffläche verschluckt gefühlt die Hälfte davon. Die Abtropffläche darf getrost entfallen – ein Abtropfgestell, das bei Bedarf aufgestellt und wieder weggeräumt wird, erfüllt denselben Zweck.
Schiebetüren statt Drehtüren. Schiebetüren schwingen nicht nach vorne auf und brauchen deshalb weniger Freifläche vor dem Schrank. Gewiss, beim Öffnen ist immer nur eine Schrankseite sichtbar – doch ein Seitenwechsel gelingt im Handumdrehen.
Vorratsdosen-Inventur. Ganz ehrlich: Wie viele Vorratsdosen ohne passenden Deckel lagern im Schrank? Eben. Deckel verdünnisieren sich bekanntlich aus unerfindlichen Gründen. Die Empfehlung: Alles, was keinen Deckel mehr hat, darf gehen. Verschenken, recyceln, bei eBay loswerden. Es ist erstaunlich, wie viel Stauraum sich plötzlich auftut, wenn ein kompletter Unterschrank nicht mehr als Vorratsdosen-Friedhof dient.